WRC Rallye Monte Carlo 2026 – Tag 2: Solberg baut die Führung aus!
Oliver Solberg setzte seinen Erfolgrun fort, baute seine Führung am zweiten Tag der WRC Rallye Monte Carlo deutlich aus und lag am Freitag Abend weiter vor seinen Teamkollegen Evans und Ogier in Front.
Text: Harald Illmer; Fotos: M-Sport Ford WRT, Hyundai Shell Mobis WRT, Toyota Gazoo Racing WRT, Axel Kindermann, Peter Hartmann
Nach dem turbulenten ersten Tag bei der 94. Rallye Monte Carlo 2026 sollte auch der Freitag mit einem Knaller beginnen. Fast die gesamte Auftaktprüfung von Laborel nach Chauvac-Laux-Montaux über knapp 18 km präsentierte sich extrem eisig. Ein Mix aus Schnee, Eis und vor allem dem gefürchteten „Black Ice“ sorgte für unglaublich rutschige Bedingungen. Zudem sorgte teils starker Nebel für sehr schlechte Sicht. Vier Spikereifen waren hier die klar richtige Wahl.
Joshua McErlean eröffnete nach seinem Ausfall am Vortag am Freitag die SPs. Die Onboard-Cameras sorgten wieder für unglaublich beeindruckende Bilder im Kampf der Boliden mit den vereisten Strecken.
Oliver Solberg setzte seinen beeindruckenden Erfolgsrun auch am Freitag Morgen fort. Der Youngster holte die nächste überlegene Bestzeit und unterbot die Zeit des Zweitschnellsten Thierry Neuville um ganze 19.1s. Elfyn Evans als Drittschnellster folgte bereits ganze 26.5s hinter dem Toyota-Piloten.
In der WRC-2 konnte Arthur Pelamourgues im Hyundai i20 N Rally2 überraschend die Bestzeit vor Leo Rossel setzen. Der Hyundai-Pilot übernahm auch P2 in der Zwischenwertung hinter dem Citroen-Piloten Rossel. Auf P3 verbesserte sich Nikolay Gryazin im Lancia Ypsilon Rally2 HF.

Foto: Hyundai Shell Mobis WRT
Albert von Thurn und Taxis / Jara Hain konnten die Rallye am Freitag nach einer Nachtschicht der BRR-Crew wieder in Angriff nehmen. In SP 4 belegte das Duo P13 in der RC2 Wertung.
Die längste SP des Tages „Saint-Nazaire-le-Désert / La Motte-Chalancon“ über fast 29 km zeigte sich über weite Teile nur nass, mit einzelnen Eisfeldern in den Schattenteilen und höher gelegenen Abschnitten. Die Wahl der richtigen Reifenkombination sollte hier eine Rolle spielen.
Den Streckenbedingungen entsprechend hielten sich die Vorkommnisse auf dieser SP in Grenzen, blieben aber dennoch nicht aus. Thierry Neuville rutschte kurz von der Strecke und verlor dabei knapp 30s.
Takamoto Katsuta wurde durch einen Reifenschaden gebremst und verlor mit der langsamen Fahrt durch die SP mehr als eine Minute auf die Bestzeit.
Und auch Gregoire Munster hatte ein Reifenproblem. Der Ford-Problem musste in der Prüfung den Reifen wechseln und verlor mehr als 2:30 Minuten.
Die Bestzeit in SP 5 holte sich Elfyn Evans mit 4.8s Vorsprung vor Sebastien Ogier. Mit seinem großem Vorsprung konnte der Führende Oliver Solberg bereits beginnen diesen sicher zu Verwalten wurde dann jedoch durch einen schleichenden Reifenschaden gebremst. Der Leader büßte dabei 27.2s ein.
Die sechste Prüfung La-Bâtie-des-Fontes – Aspremont über knapp 18 km bot von den Bedingungen wieder ein gänzlich anderes Bild. Vor allem im ersten hoch gelegenen Teilstück prägte viel und teils tiefer Schnee das Geschehen. Durch das Freifahren einer Spur wurde die SP im Verlauf natürlich immer schneller.
Thierry Neuville konnte lange die Bestzeit vor Adrien Fourmaux halten, bis der Führende Oliver Solberg in die Prüfung startete. Der Schwede holte sich die nächste überlegene Bestzeit.

Foto: M-Sport Ford WRT
Takamoto Katsuta hingegen blieb das Pech treu – ein weiterer Reifenschaden in SP 6 kostete wieder wertvollste Zeit. Und auch Gregoire Munster wurde wie in SP 5 abermals von einem Platten gebremst.
Mit einem Vorsprung von 1:04.2 Minuten auf Elfyn Evans erreichte somit Oliver Solberg den mittäglichen Service in Gap als Gesamtführender. Mit 1:39.9 Min. komplettierte Sebastien Ogier das Podium nach SP 6. Thierry Neuville, Adrien Fourmaux und Jon Armstrong folgten in den Top-6.
In der WRC2 konnte Leo Rossel seinen Vorsprung auf Eric Camilli auf 37.0s ausbauen. Albert von Thurn und Taxis / Jara Hain steckten in SP 6 mehr als 7 Minuten im Graben, konnten die Fahrt dann aber fortsetzen.
Einsetzender Schneefall war für den späteren Nachmittag angekündigt. Der Re-Run in Laborel ging bei sehr nassen Bedingungen bei einsetzenden Regen und einigen noch sehr eisigen Abschnitten über die Bühne. Ein Großteil der Top-Piloten ging mit vier Winterreifen oder Soft/Supersoft- und 2 bespikten Pneus aus dem Servicepark.
Sebastien Ogier knallte als erster der Top-Piloten eine beeindruckende Zeit hin, Elfyn Evans setzte eine bis auf nur 0.9s langsamere Zeit als der Franzose. Nur Oliver Solberg konnte die Zeit unterbieten und eine weitere Bestzeit für sich verbuchen.
Im Lager von Hyundai war diesmal Thierry Neuville der Schnellste, knapp 15s hinter Ogier. Adrien Fourmaux verlor mit einem Bremsproblem mehr als eine Minute in der siebten SP, zeigte sich im Ziel der Prüfung aber optimistisch den Schaden selbst beheben zu können.

Foto: Toyota Gazoo Racing WRT
Problematisch begann der Nachmittag auch für Takamoto Katsuta. Ein Ausfall der Servolenkung nach einem Einschlag kostete den Japaner knapp eine Minute.
Auch die Reifenschäden sollten wieder eine Rolle spielen – diesmal erwischte es Jon Armstrong. Der Ford-Pilot fuhr mit dem beschädigten Pneu ins Ziel und büßte knapp 30s ein.
In der WRC2 kämpfte sich Nikolay Gryazin zurück auf das Podium. Der Lancia Pilot belegte nach SP sieben nun den P2 im Gesamktlassement.
Wie am Vormittag war der Streckenbelag in Saint-Nazaire-le-Desert wieder deutlich einheitlicher. Vom Start bis zum Ziel der fast 29km langen Prüfungen herrschten nasse, teils verschlammte Bedingungen ohne Schnee und Eis. Gespannt wartete man ob der angekündigte Schneefall einsetzen würde.
In der Spitzengruppe legte Sebastien Ogier wieder die erste Richtzeit vor und konnte diesmal Elfy Evans doch deutlich distanzieren. Nach einem kleinen Fahrfehler in einer Kehre verlor Evans mehr als 16s in SP 8. Oliver Solberg konzentrierte sich nun wieder auf das Verwalten des Vorsprungs und holte wie am Vormittag die dritte Zeit.
Mit mehr als 34s Rückstand war Thierry Neuville dennoch der schnellste der Hyundai-Piloten. Adrien Fourmauxs Bemühen sein Bremsproblem auf der Verbindungsetappe zu reparieren waren zwar erfolgreich, führten aber zu einer 30s Zeitstrafe, da der Franzose zu spät zur Zeitkontrolle kam. Hayden Paddon pilotierte den dritten Hyundai weiter sicher auf Zwischenrang 7, kassierte jedoch ebenso eine 30s Zeitstrafe wie Teamkollege Fourmaux.
Weiter ohne Servolenkung musste sich Takamoto Katsuta über die Prüfung quälen. Die körperliche Höchst-Anstrengung war ersichtlich, der Japaner verlor dabei über 3 Minuten.

Foto: Hyundai Shell Mobis WRT
Für Jon Armstrong zerbrachen in SP acht wohl endgültig alle Hoffnungen auf ein Top-Resultat. Der Ford-Pilot büßte nach einem Reifenschaden, den er in der Prüfung wechseln musste, mehr als 3:12 Minuten ein konnte den sechsten Zwischenrang jedoch halten.
Die finale Prüfung am Freitag war auch beim 2. Umlauf vom Start weg tiefwinterlich und extrem rutschigneuville auc. Als erstes Fahrzeug in der Strecke musste dies Josh McErlean rasch feststellen. Bereits kurz nach dem Start flog der Ford-Pilot in den Graben und blieb stecken. McErlean konnte seine Fahrt auch nicht mehr fortsetzen.
Kurz darauf erwischte es Thierry Neuville. Auch der Belgier rutschte in den Graben und blieb hängen. Mit Hilfe der Zuseher konnte der Hyundai nach knapp 3 Minuten befreit werden und Neuville seine Fahrt fortsetzen.
Sebastien Ogier ließ sich von den Bedingungen nicht beeindrucken und knallte die erste Richtzeit hin. Dabei unterbot er die Zeit seines zuvor gestarteten Teamkollegen Sami Pajari um mehr als 49s. Auch Elfyn Evans konnte die Zeit des amtierenden Weltmeisters nicht unterbieten und verlor 12.1s auf Ogier, blieb jedoch in der Gesamtwertung in Front.
Oliver Solberg verwaltete seine Führung auf der finalen Prüfung in abgebrühter Manier und setzte die Zweitschnellste Zeit. Mit einem Vorsprung von 1:08.4 Min. auf Elfyn Evans beendete Solberg den Freitag als Gesamtführender. Sebastien Ogier folgte mit 1:14.9 Min. Rückstand auf Zwischenrang P3.
Adrien Fourmaux rutschte nach dem Missgeschick von Thierry Neuville auf P4 der Gesamtwertung nach vorne (+5;05.2). Thierry Neuville und Jon Armstrong komplettierten die Top-6.

Foto: M-Sport Ford WRT
In der WRC2 konnte Leo Rossel seine Führung verteidigen. Der Citroen Pilot führte die Klassenwertung am Freitag Abend vor Eric Camilli und Nikolay Gryazin an. Albert von Thurn und Taxis / Jara Hain beendeten den Freitag Abend erfolgreich. Einsetzender starker Schneefall sorgte vor allem auf der vorletzten Sonderprüfung des Tages bei den späteren Startern für extreme Bedingungen.
Am Samstag stehen bei der 94. Rallye Monte Carlo auf der Überführungsetappe von Gap nach Monte Carlo vier Sonderprüfungen über 77,61 km am Programm, darunter zum Abschluss des Tages eine Superspecial am Formel-1 Kurs in Monaco.

Foto: Peter Hartmann
Ergebnisse:
Zwischenstand nach 9 Sonderprüfungen:
01. O. Solberg / E. Edmondson Toyota GR Yaris Rally1 2:11:13.1
02. E. Evans / S. Martin, Toyota GR Yaris Rally1 +1:08.4
03. S. Ogier / V. Landais, Toyota GR Yaris Rally1 +1:14.9
04. A. Fourmaux / A. Coria, Hyundai i20 N Rally1 +5:05.2
05. T. Neuville / M. Wydaeghe, Hyundai i20 N Rally1 +6:05.3
06. J. Armstrong / S. Byrne, Ford Puma Rally1 +7:18.8
07. H. Paddon / J. Kennard, Hyundai i20 N Rally1 +7:42.1
07. T. Katsuta / A. Johnston, Toyota GR Yaris Rally1 +
08. L. Rossel / G. Mercoiret, Citroën C3 Rally2 +8:27.5
09. E. Camilli / T. De La Haye, Škoda Fabia RS Rally2 +9:07.1
10. N. Gryazin / K. Aleksandrov, Lancia Ypsilon Rally2 HF +9:08.8
Stimmen im Tagesziel:
Oliver Solberg: „Es war wieder ein unglaublicher Tag und ich bin sehr zufrieden. Ziel war es, konstant zu fahren und Probleme zu vermeiden. Wir hatten zwar einen schleichenden Platten, aber ansonsten lief es richtig gut. Heute Nachmittag ging es vor allem ums Überleben. Im ersten Lauf konnten wir noch die Schnellsten sein, aber als es dunkel wurde, war es etwas zu riskant, weiter zu pushen. Außerdem war viel Schlamm im hinteren Teil der Strecke, und wir mussten mit diesem Auto zum ersten Mal unter diesen Bedingungen große Kurven fahren. Es gibt also noch viel zu lernen, und es ist noch ein verdammt langer Weg.“
Elfyn Evans: „Wir hatten heute wieder sehr unterschiedliche Bedingungen. Die erste SP begann ziemlich eisig, was knifflig war, aber wir kamen mit der Vormittagsrunde recht gut und ohne größere Probleme zurecht. Der Nachmittag war dann deutlich schwieriger; es gab weniger Eis und Schnee, dafür aber mehr Schlamm auf der Straße, und vielleicht habe ich in den schlammigen Passagen nicht genug attackiert. Wir haben auf Seb, der einen super Job gemacht hat, ordentlich Zeit verloren, daher wird es morgen spannend und eng. Da die Bedingungen noch schwieriger werden, sieht es nach einem klassischen ‚Monte‘ bis zum Schluss aus.“
Sebastien Ogier: „Heute Morgen war es wegen des Schneematsches auf der Straße wieder knifflig für uns. Zwei Autos fuhren vor uns, aber die Straße hinter uns verbesserte sich deutlich. Am Nachmittag änderten sich die Bedingungen, und wir konnten das Blatt etwas wenden. Wir mussten zwar nicht durch Schneematsch fahren, aber es war trotzdem sehr anspruchsvoll mit unglaublich viel Schlamm und Wasser auf der Straße. Für die Fahrer hinter uns wurde es wahrscheinlich immer schwieriger, und wir konnten gute Zeiten fahren. Es ist jetzt ein spannendes Duell mit Elfyn, und es wird aufregend für den Rest der Rallye.“

Adrien Fourmaux:„Wir hatten heute Nachmittag einige Probleme, die wir in den Griff bekommen mussten, vor allem die Handbremse. In allen Haarnadelkurven habe ich versucht, so weit wie möglich auszuholen, um sie in einem Zug zu durchfahren. Wir mussten ein paar Mal rückwärtsfahren, was aber sehr schnell ging. Wir liegen jetzt auf Platz vier, also werden wir geduldig sein und darauf hoffen, morgen einen problemlosen Tag zu haben, sowie auf die Punkte am Super Sunday und in der Power Stage, wenn es am wichtigsten ist.“
Thierry Neuville: „Leider ist uns heute auf der letzten SP ein Fehler unterlaufen. Wir sind etwas zu schnell in eine Kurve gefahren und in einen Graben geraten, aus dem es kein Entrinnen gab. Ich denke, wir hätten die Spikereifen nehmen sollen, da wir zwei davon im Auto hatten. Es gab nämlich etwas mehr Eis als wir nach Rücksprache mit unserem Schotterteam erwartet hatten. Im Moment kämpfen wir noch mit uns selbst, aber die Rallye ist lang und wir haben noch zwei Tage vor uns. Wir müssen das Beste aus dem machen, was wir können, und mehr können wir im Moment nicht tun.“
Hayden Paddon: „Heute war wieder ein harter Tag. Die Bedingungen waren teilweise knifflig, besonders in der zweiten Runde auf den stark verschmutzten Straßen. Wir versuchen immer noch, uns im Auto richtig wohlzufühlen, unsere Position zu halten und durchzuhalten – was das Fahren tatsächlich erschwert. Wir finden die richtige Balance und versuchen, so viel wie möglich über den Hyundai i20 N Rally1 zu lernen.“
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