ADAC Eifel Rallye Festival 2026: Festival-Feeling in der Vulkaneifel
Das weltweite Treffen der Rallye-Familie begeisterte abermals die Fans / Einmalig: Alle Big-Player der Gruppe B in Daun. / Die 14. Ausgabe des ADAC Eifel Rallye Festival (23.-25. Juli 2026) schenkte den Teilnehmern, den zehntausenden Fans an den Demonstrationsstrecken und den Anwohnern der Region erneut ein echtes Festival-Wochenende.
Fotos / Text: ADAC Eifel Rallye Festival / Jürgen Hahn
Rund 170 Fahrzeuge aus über 60 Jahren Rallye-Geschichte, original oder originalgetreu nachgebaut, bildeten wieder das größte rollende Rallyemuseum. „Selbst auf den Verbindungsstraßen zwischen den einzelnen Demonstrationsstrecken feierten wahnsinnig viele Fans und Anwohner am Straßenrand und jubelten jedem von uns zu“, berichteten die Teilnehmer. „Hier sind wirklich alle gleich, egal welcher Sprache, welcher Nationalität oder wer welche Erfolge bislang hatte, an diesem Wochenende sind wir hier alle eine Rallye-Familie. Teams, die erstmals hier starten, werden sofort integriert“, formulierten Arnd Bleymeyer und Dana Pees-Schattner, die in ihrem Gruppe 4-BMW 323i von 1981 ebenso von der Begeisterung der Fans schwärmten.

Otmar Anschütz, Orgaleiter und Vorsitzender des veranstaltenden MSC Daun e.V. im ADAC sagte: „Ein herzliches Dankeschön an jeden einzelnen unserer fast 800 Helfern. Alle haben ihre individuelle Aufgabe perfekt erfüllt. Nur so kann eine solche Großveranstaltung funktionieren.“ Sein Dank geht auch „an alle, die dieses Festival des Rallyesports erst möglich machen. Dazu gehören neben vielen anderen die Genehmigungsbehörden, die beteiligten Gemeinden oder die Sponsoren.“
Reinhard Klein, der als Kopf von Slowly Sideways im Orga-Team für die Zusammenstellung des Starterfeldes verantwortlich ist, zieht ebenfalls ein positives Fazit. „Wir konnten diesmal eine Bandbreite von 60 Jahren automobiler Rallyegeschichte abbilden. Bei Motorleistungen von rund 40 bis 600 PS gab es dabei natürlich auch große Geschwindigkeitsunterschiede. Das Besondere an unserem Festival-Feld: Alle fahren miteinander, respektieren sich und lassen sich Platz. Das ist doch ein tolles Entertainment für die Fans. Die Fahrweise ist nicht immer perfekt, aber wunderschön“.

Eines der vielen Highlights war das erstmalige Aufeinandertreffen aller Big-Player der Gruppe-B-Ära. „40 Jahre nach dem Verbot der Gruppe B hatten wir von jedem wichtigen Auto eines da. Heimlicher Star war der Citroën BX4TC, von dem es weltweit nur noch vier Stück gibt, von denen lediglich einer noch fährt,“ erklärte Klein. Der BX4TC von Enda Garvey, der 40 Jahre nicht mehr bewegt wurde, streikte jedoch kurz nach dem Start. Ein Teil der Hydraulik, die den Abstand der Karosse zum Boden regelt, verweigerte die Mitarbeit. Das notwendige Ersatzteil trifft aber erst nach der Veranstaltung in Daun ein.
Einen Kupplungsschaden erlitt die ebenso originale Gruppe-B-Toyota Celica von Ernst Kopp am späten Freitag. Der frühere Werkstattleiter der WM-Teams von Toyota und Hyundai fuhr umgehend nach Hause in den Westerwald, baute sich das benötigte Ersatzteil, reparierte über Nacht und war am Samstag wieder am Start!
Vor dem Eifel Rallye Festival erreichte den Veranstalter eine ‚freundliche‘ Beschwerde. „Wir hören die tollen Autos immer vorbeifahren können sie aber
leider nicht sehen“, formulierten die Bewohner des Haus Sonnental, einem Alten- und Pflegeheim am Rande von Daun. Dem konnte abgeholfen werden. Nach dem Gruppenfoto fuhr eine kleine Anzahl von Teilnehmern auf den dafür eigens freigehaltenen Parkplatz, die Fahrzeuge konnten besichtigt werden und die Teams standen den Bewohnern Rede und Antwort. Anne Schmitz (88) strahlte: „Das erinnert mich an meine Kindheit, da hat mein Vater mir immer vom Rennfahrer Bernd Rosemeyer erzählt.“ Für den gelernten Automechaniker Norbert Haase (70) war der Besuch, „eine tolle Idee, aber die Technik hat sich in den letzten 40 Jahren ganz schön verändert.“ Auch die Leitung freute sich, „unsere Bewohnerinnen und Bewohner hatten große Freude daran, die liebevoll gepflegten Autos aus nächster Nähe zu bestaunen. Es gab nur strahlende Gesichter. Solche Begegnungen bereichern den Alltag und bleiben lange in Erinnerung!“

Weltmeister Stig Blomqvist führte die Parade von zehn Fahrzeugen aus seiner langen Karriere anlässlich seines 80. Geburtstages in der kommenden Woche selbst an. Er ist seit nun 13 Jahren Dauergast in Daun. „Solange es irgendwie geht, werde ich immer wieder gerne hier sein. Es macht mir unheimlich viel Freude.“
Seppo Harjanne ist dreimal Weltmeister. 1985 an der Seite von Timo Salonen im Peugeot 205 T16 E2 und in den Jahren 1996 und 1997 mit Tomi Mäkinen im Mitsubishi Lancer. Lange Jahre war er anschließend stellvertretender Leiter des WM-Laufes in seiner finnischen Heimat. Von seiner Premiere in Daun war er beeindruckt: „So viele Fans entlang der Strecken und eine so perfekte Organisation. Die tollen Autos erinnern mich an meine aktive Zeit, einfach wunderbar. Von hier aus geht es für mich zum WM-Lauf in Finnland und danach zum Angeln“, ergänzte er augenzwinkernd.
Marianne Hoepfner und Oda Dencker-Andersen wurden 1980 Zweite bei der Himalaja-Rallye. Über ihre Erlebnisse in der Toyota Celica berichteten sie sehr kurzweilig beim Welcome-Abend. Gezeigt wurde in Auszügen auch der damalige – einstündige! - Beitrag des ZDF. Nach Überfällen rivalisierender Gruppen musste die Veranstaltung unter militärischem Schutz und abseits der Öffentlichkeit beendet werden. Bei der Siegerehrung trafen die beiden auf die Ministerpräsidentin Indira Ghandi, die sich für das Verhalten von Teilen ihrer Landsleute entschuldigte. Bei der Rallye lernte Denker-Andersen ihren künftigen Ehemann kennen: „Das war der schönste Preis, den ich jemals erhalten habe.“
Kalle Grundel hat nicht nur durch seinen Deutschen Meistertitel von 1985 eine große deutsche Fanbase. Bei seinen inzwischen zahlreichen Besuchen plaudert der Schwede auch aus dem berühmten ‚Nähkästchen‘. Seine Aussage „1985 beim WM-Lauf in Finnland mit dem Peugeot 205 T16 E2 sind wir fast stehen geblieben“, sorgte für fragende Gesichter. Seine Erklärung war einleuchtend: „Da gab es einen geheimen Schalter, der die Leistung kurzfristig von 450 auf 550 PS steigerte, da drehten selbst bei voller Fahrt die Reifen durch.“
Mit launigen Anekdoten unterhielt Käfer-Legende Herbert Grünsteidl die zahlreichen Fans beim Welcome-Abend. „Sein erstes Bergrennen fuhr Niki Lauda wie ich in einem Cooper. Ich habe ihn geschlagen, er wurde Zweiter. Dass er später wesentlich schneller als ich war, davon wollen wir heute nicht mehr reden.“
Der zweifache Deutsche Rallye-Meister Ruben Zeltner ist absoluter Fan des Eifel Rallye Festivals. Er formulierte: „Wir fahren hier für die Fans, spektakulär und so quer wie möglich. In diesem Jahr möchte ich meinen ‚Handbremsrekord‘ aus dem letzten Jahr überbieten, noch öfters am Hebel ziehen und quer um die Kurven fahren.“

Peter Thul war 1993 und 1994 an der Seite von Dieter Depping deutscher Rallye-Meister und ist inzwischen verantwortlicher WRC-Promoter. „Es sind nicht nur die Autos, sondern auch die Menschen aus meiner vergangenen Rallyezeit, die ich hier treffe. Es ist toll zu sehen, dass die Vergangenheit immer noch präsent ist und so viele Menschen Spaß daran haben. Dieses Festival ist einzigartig aufgrund der Bandbreite der Fahrzeuge, viele Epochen sind komplett abgebildet und alles ist vollkommen entspannt. Als WRC-Promoter wollen wir solche Veranstaltungen zukünftig integrieren. Wir haben das schon erfolgreich mit Slowly Sideways Fahrzeugen von hier bei der 50 Jahrfeier der WRC in Portugal gemacht. Das wollen wir bei anderen WM-Läufen fortsetzen. Die Bandbreite von der Gruppe B über die Gruppe A bis zu den WRC fasziniert die Fans und genau das wollen wir zeigen.“
Als Leiter Automobilsport beim ADAC in München besuchte Andi Bachmeier erstmals das Festival. „Wir haben diese Veranstaltung immer verfolgt und miterlebt, wie sie größer geworden ist. Ich freue mich riesig, dass ich erstmals hier bin und das alles miterleben kann. Gerade der Rallyesport lebt auch von seiner Vergangenheit. Wenn man die alten Autos hier sieht, geht einem das Herz auf. Wir müssen den Motorsport in Deutschland hochhalten und diese Veranstaltung gehört absolut dazu. Es ist unfassbar, was die Jungs hier aus dem Boden gestampft haben. Wir haben einen Riesenrespekt davor.“
Der Brite Tom Howard ist einer der führenden Journalisten in der Rallye-Weltmeisterschaft und schreibt unter anderem für Autosport/Motorsport.com. Nach seinem ersten Besuch in Daun sagte er: „Hier sind Autos, von denen ich bislang nur gehört oder gelesen hatte. Besser geht es überhaupt nicht, ich komme auf jeden Fall wieder. Diejenigen, auch die, die noch nichts vom Motorsport kennen, sollten hierherkommen. Hier versteht man, was Motorsport ist.“

Luke Barry schreibt in der Rallye-WM für dirtfish.com, das US-Unternehmen ist eines der wichtigsten Rallye-Medien weltweit. „Was für eine wunderbare Atmosphäre, hier wird der Rallyesport gefeiert, hier wird die Leidenschaft für diesen historischen Sport gelebt,“ strahlte der Schotte geradezu vor Begeisterung. „So etwas habe noch nie erlebt, so viele großartige Autos!“
Weitere Informationen: https://www.eifel-rallye-festival.de/ |